Der Wendepunkt frei nach Klaus Mann

Der Wendepunkt, 18.-20.03.2016 in Essen und Duisburg

Theaterwochenende mit „Der Wendepunkt“, dem Lebensbericht Klaus Mann’s (1906 – 1949). Grundlage für das von Maria Trautmann inszenierte Einpersonenstück ist die gleichnamige Autobiographie des ältesten Sohns des Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann.

Schauplatz der insgesamt drei Aufführungen waren das Maschinenhaus in Essen (vor zwei Wochen noch Veranstaltungsort des PENG-Festivals) und das Lokal Harmonie in Duisburg-Ruhrort.

Ebenerdige Bühnen, im Maschinenhaus fast die halbe Halle umfassend, ohne Dekoration oder Aufbauten, nur die grob gemauerten bzw. verputzten Gebäudewände.

Als einzige Requisiten dienen zwischenzeitlich Sektglas und – flasche, deren Inhalt während des Stücks an die Besucher ausgeschenkt wird 🙂

Im Gemäuer des Maschinenhaus absolute Stille, man hört die sprichwörtliche Stecknadel fallen.

Auf der Bühne nutzt der Theater- und Filmschauspieler Sven Gey den großen Raum. Er spielt, tänzelt, erzählt Klaus Mann’s Leben.

Beginnend mit der unbekümmerten Kindheit in München, dem 1. Weltkrieg, der jubelnden „Nation“, den goldenen, feiernden 20er Jahre, über Weltwirtschaftskrise, den Aufstieg der Nationalsozialisten, Exil in Amerika, den Selbstmorden seiner intellektuellen Freunde und Bekannten und dem 2. Weltkrieg.

Perfekt beleuchtet und in einigen Passagen von Moritz Götzen am Kontrabass unterstützt, bringt Sven Gey die zunehmende Verzweiflung Mann’s bravourös rüber.

Jeder zusätzliche Gegenstand auf der Bühne hätte m. E. abgelenkt und gestört.

Ein Zeitzeugnis der erste Hälfte des letzten Jahrhunderts, dass mich vor dem Hintergrund aktuell stärker werdender nationalistischer Tendenzen in Europa nachdenklich macht.

Sehr interessant zu sehen, wie dieses Stück im großen Maschinenhaus und im kleineren Lokal Harmonie aufgeführt wurde und wirkte. Beide Male begeisternd und von den Besuchern mit Standing Ovations belohnt.

Im Gespräch erzählte Maria Trautmann, die Anfang des Jahres mit dem Live-Hörspiel Peterchen’s Mondfahrt noch selber auf der Bühne im Lokal Harmonie stand, dass vom Lesen der Autobiographie bis zur Aufführung fast ein Jahr vergangen ist.

Es wäre sehr schade, wenn es bei diesen drei Aufführungen bleiben würde.

Der Wendepunkt:
Sven Gey (Schauspiel)
Moritz Götzen (Kontrabass)
Maria Trautmann (Bühnenfassung & Regie)
Simon Knöß (Licht)
Peter Rubel (Sound)

 

Weitere Fotos von den Aufführungen vom 19. und 20.03.2016 im Maschinenhaus und im Lokal Harmonie gibt es hier: Der Wendepunkt frei nach Klaus Mann

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