JOE Festival 2019

JOE Festival 2019 in der Zeche Carl, Essen

… Eröffnung meiner persönlichen Festivalsaison 2019.

In seiner 23. Auflage nimmt die Jazz Offensive Essen einen Ortswechsel vor und wechselt vom Katakomben Theater in Essen-Rüttenscheid in die Räumlichkeiten der Zeche Carl in den Stadtteil Altenessen. 

Von den Besuchern wird dies gut angenommen. An allen Festivaltagen ist die bestuhlte, ehemalige Zechenkaue, sehr gut besucht. 

Für mich ist der neue Ort verkehrsgünstig gut gelegen. – A42 Abfahrt Essen-Altenessen / Karnap – und an dieser Stelle ein „hoch“ auf die Smartphone Navi-App, die mich am Donnerstagabend eine Ausfahrt früher als üblich von der Autobahn lotst, ansonsten wäre die pünktliche Ankunft zum ersten Konzert staubedingt knapp geworden.

SALOMEA, JOE Festival 2019, Zeche Carl
SALOMEA, JOE Festival 2019, Zeche Carl

So passt es dann und ich kann den Festivalopener SALOMEA entspannt erleben. Die Musikrichtung der 4-köpfigen Band um Sängerin Rebekka Ziegler aka Salomea einfach mit „Jazz“ zu kategorisieren wäre zu eng gefasst. Stimme, Improvisation, elektronische Beats sorgen für einen kurzweiligen, überraschenden und schönen Einstieg in drei Tage Livemusik. 

Im Anschluss ist ein Ortswechsel mit 5 minütigem Fußweg angesagt. Patrick Hengst und Christian Ugurel, die Vorsitzenden der Jazz Offensive, weisen mit selbstgebastelten Schildern den Weg zur „Alte Kirche Altenessen“. 

Grund ist die dort stehende Hauser-Orgel und Kit Downes – oder halt umgekehrt Kit Downes und die benötigte Orgel.

Kit Downes, JOE Festival 2019, Alte Kirche Altenessen
Kit Downes, JOE Festival 2019, Alte Kirche Altenessen

Der Brite zeigt wie eine Kirchenorgel abseits von Gottesdiensten klingen kann. Großartig. Andächtiges lauschen der im Kirchenraum und auf der Empore, eingemummt sitzenden Besucher.

Zurück geht es in die  Zeche Carl und der Temperaturunterschied zur Kirche tut gut. 

Mit qöölp stehen Theo und Valentin Ceccaldi an Violine und Cello, Ronny Graupe (Gitarre) und Christian Lillinger (Schlagzeug)  auf der Bühne. Die deutsch-französische Kombination („DoppelDuo“) sorgt für einen energiegeladenen Abschluss des Donnerstagabend.

Piepen en Kraken um den Essener Posaunisten Moritz Anthes eröffnen den zweiten Festivaltag. Neben Schlagzeug, Bass, Wurlitzer (Tasteninstrument – nicht Musikbox), wird ein altes Kofferradio als zusätzliches Instrument bzw. Klangquelle eingebunden. Übersetzt heißt der Bandname „Quietschen und Krachen“ und so kreieren die vier jungen Musiker, bei heruntergedimmten Bühnenlicht mit ihren Instrumenten und Effektgeräten komplexe Klang- und Soundstrukturen. Vermutlich nicht unbedingt etwas für <Vorurteil ein> Cordsakko tragende  <Vorurteil aus> Jazzpuristen.  

Christian Lillinger - qöölp, JOE Festival 2019, Zeche Carl
Christian Lillinger – qöölp, JOE Festival 2019, Zeche Carl

Klassischer und ohne Elektronik stehen nach einer kurzen Umbaupause dann mit Bill McHenry und Joe Smith das erste Duo des diesjährigen Festivals auf der Bühne. Die Amerikaner haben in den 90er Jahren häufig im New Yorker Central Park gespielt und man merkt dem Saxophonisten und Schlagzeuger an, dass sie sich lange kennen und Spaß auf der Bühne haben. 

Der international bekannteste Name des Festivals beschließt den Abend. Das schwedische Bobo Stenson Trio.  Der 74 jährige Stenson am Flügel, Anders Jormin (Bass) und der erst kurz vor dem Konzert eingetroffene Schlagzeuger Jon Fält treffen den Nerv des Publikums. Standing Ovations. 

Der letzte Festivaltag startet mit der (Improvisations)sängerin Hanna Schörken und der japanischen Pianisten Rieko Okudo. Die Beiden lernten sich im letzten Jahr in Berlin kennen, merkten dass sie musikalisch zusammen passen… und wie steht es im Programmheft ge(be)schrieben „….Fließend, kompromisslos, geräuschhaft, erschütternd. liebend…“.

Rieko Okuda / Hanna Schörken, JOE Festival 2019, Zeche Carl

Für Fotografen, sofern nicht dauerhaft in der ersten Reihe sitzend, eine Herausforderung das durch die Haare verdeckte Gesicht der häufig über den Flügel gebeugten oder stehenden Rieko Okuda einzufangen.

Mit Velvet Revolution gibt es im Anschluss ein Wiedersehen mit Theo Ceccaldi, am ersten Tag mit qöölp aktiv und nun mit Daniel Erdmann (Saxophon) und Jim Hart (Vibraphon) im Scheinwerferlicht der schön illuminierten Bühne. Ceccaldi spielt seine Violine weitestgehend gitarrenähnlich,  ohne Bogen. Jeder der Musiker lässt seinen Mitspielern Platz für Gestaltung, Entfaltung. Macht Spaß dem Trio zuzuhören bzw. spielen zu sehen. 

Moritz Anthes -Piepen en Kraken, JOE Festival 2019, Zeche Carl
Moritz Anthes -Piepen en Kraken, JOE Festival 2019, Zeche Carl

Den Festivalabschluss bilden Vula Viel. Jim Hart, gerade noch bei Velvet Revolution, wechselt ans Schlagzeug und  sein Vibraphon wird durch ein aus Afrika stammendes, hölzernes Gyil mit der Londonerin Bex Burch getauscht (interessant der kurze Filmclip zum Zusammen- bzw. Abbau Ihres Instruments , ein skandinavisches Möbelhaus oder Baumarktketten wären vermutlich begeistert https://bit.ly/2WsyAp4 ). Ruth Geller vervollständigt mit ihrem E-Bass das Trio, bei dem das Gyil, wie erwartet, im Mittelpunkt steht.

Neben den genannten Konzerten runden ein speziell auf Kinder zugeschnittenes Mitmachkonzert am Samstagmittag und eine Diskussionsrunde zum Thema „Gleichstellung im Jazz“ die 23. Ausgabe des Festivals ab. 

Fazit: Drei Konzerte an einem Abend finde ich gut, entspannte Atmosphäre und ein musikalisch vielseitiges Festival in einer neuen Lokation, die gerne auch in den nächsten Jahren Bestand haben darf.

Zur Fotogalerie: http://sieben48.de/portfolio/joe-festival-2019/

Im Netz: www.jazz-offensive-essen.de/joe-live/joe-festival/

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